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cosmopolar - erfurt

28.05.2011

[anm.d.red.:
1. Bild, das; -[e]s, -er [mhd. bilde = bild, gestalt, ahd. bilidi = nachbildung, abbild; gestalt, gebilde
2. bei szenemag für gewöhnlich ohne nachbearbeitung in "reinform". keine verwendung von farb- oder sonstigen filtern, keine manipulation, what you see is what you get! evtl. zu sehende verformungen und lichteffekte entstehen ausschließlich auf grund der gegebenheiten vor ort sowie ggf. unter verwendung eines konventionellen fotoblitzes.
3. die umrandeten fotos sind mit groß-formaten hinterlegt. auf wunsch
mailen wir euch auch gerne die original-größen.]
 

"... was wirklich guten stil ausmacht? darüber nicht nachdenken zu müssen..." (hell, auszug interview gq magazin)

was fällt uns zu dj hell ein, was ihr nicht anderweitig schon gelesen habt oder lesen könntet? denn da gibt es natürlich einiges... nettes, heroisches, übertriebenes, untertriebenes, gossip in alle richtungen, aber auch weniger nettes und geradezu verleumdendes.

wir für unseren teil, wissen ihn und seine kernkompetenz sehr zu schätzen. egal wo wir ihn in den vergangenen jahren gehört/gesehen haben, seine dates waren für uns immer aussergewöhnlich. dabei spielte es keine rolle, ob es sich um ein date in barcelona (siehe review 2006 im nitsa club mit oliver huntemann, review 2009 im boulevard club mit christian prommer), im näheren kreis hier in erfurt (centrum 2005), nürnberg (hirsch 2004) oder sage und schreibe vor 10 jahren im alten kino in römhild (siehe review 2001) handelte.

diese jahreszahl macht auch deutlich, dass wir es mit einer deutschen legende in sachen elektronischer musik zutun haben. denn im jahre 2001, war dj hell bereits schon über 10 jahre im rennen. wir reden also von gut und gerne 20 jahre kultur. von münchen ausgehend, über berlin (job im hardwax...), frankfurt, in die ganze welt und schlussendlich bekennend wieder zurück in deutschland, münchen natürlich weiterhin treu bleibend!

wenn ihr das netz durchforstet, werdet ihr die diversesten statements zu ihm finden, was nach so vielen jahr natürlich kein wunder ist. daher wie immer der hinweis, dass wir nur aus unserer subjektiven wahrnehmung berichten können und vor allen dingen wollen.

wir für unseren teil verbinden den namen dj hell mit einem gesamtkunstwerk. vor allen dingen bestehend aus einem musikalischen grundverständnis in bezug auf electro, kraftwerk, ebm/industrial, den 80ern allgemein... das dann transportiert in die neuzeit und dort verbunden sowie verschmolzen mit musik, die eine ähnliche seele in sich tragen. darüber hinaus aber auch ausgeweitet auf die bereiche mode, stil-kone als solche, label-arbeit, veranstaltungen...

die für uns weniger interessanten bereiche - pornos, parfüm, den hang zu dekadenz und überfluss, electroclash, k*k**n - blenden wir dabei aus, da die o.g. aspekte für uns einfach am strahlendsten sind, um nicht zu sagen: sie überstrahlen die etwas schattigeren bereiche für uns deutlich. denn so ist das mit dem licht, es vertreibt die dunkelheit, auch wenn diese immer ein grundbestandteil des kunstwerk´s dj hell war und ist.

um nur einen dieser schattenbereiche etwas näher zu (ha, wortspiel!) beleuchten: der auf gigolo records veröffentlichte track von fischerspooner "emerge" löste seinerzeit eine welle aus, auf der auch die erfurter northern lite (siehe review anfang des monats im centrum) noch eine ganze welle lang surften. nicht das der track als solcher über jeden zweifel erhaben war, nein, aber er löste die welle "electroclash" aus und diese fristet seither (wortspiel II) ein schattendasein neben all-time-haters wie dem schr*nz, r*ve oder gefärbten augenbrauen.

hell´s label gigolo records selbst, war aber dennoch immer ein wesentlicher bestandteil des gesamtkunstwerks, was man in sachen künstlerauswahl und artwork natürlich ebenfalls merkte. auch wenn nicht alle so zündeten, wie es o.g. fischerspooner oder auch zombi nation taten, war man nie verlegen, auch mit neuen künstlern zu experimentieren.

trotz der großen (wirklich sehr großen) verkäufe von platten wie fischerspooner auf gigolo records, wurde das label (und hell als betreiber) finanziell hart durch die pleite des vertriebs efa getroffen. efa war in den 90ern der vertrieb für elektronische, aber auch andere underground-/independent-labels und zog mit seinem finanziellen ruin anfang der 00er jahre auch einen gut-teil der elektronischen szene in den abgrund. ein schicksal, was alter ego´s roman flügel (wenn auch nicht ganz so drastisch) aktuell auch im groove-magazin aus seiner ganz persönlichen sicht ähnlich beschreibt.

tot geglaubte leben ja bekanntlich länger und all seinen (vielen) kritikern zum trotz, meldete sich hell mit dem album teufelswerk in 2009 zurück. ein doppelalbum, was viel positives feedback bescherte und dj hell zurück ins rennen brachte. deutlich wird auf dem album seine besinnung auf alte tugenden und vorlieben.

hervorzuheben ist darauf insbesondere die kollaboration mit bryan ferry (dem früheren sänger von roxy music), welche - mal egal wie diese nun genau zu statten kam oder auch im detail ablief - treffender eigentlich nicht sein könnte, denn von ihrer aussenwirkung und symbolkraft her, liegen die beiden charaktere m.e. so dicht bei einander, dass eine zusammenarbeit eigentlich überfällig schien. der track selbst ("u can dance") war dann auch ein veritabler hit im original und seinen diversen remixen, sodass seither die munich machine wieder zu laufen scheint.

zumindest belegen das die wieder ausgeprägteren kalender-dates für die nächsten wochen/monate. eine residency oder fest gewachsene club-verbindung, so wie die villa traunstein oder das ehemalige ultraschall in münchen, scheint es aktuell jedoch nicht zu geben. allenfalls die bavarian gigolo night im neu eröffneten bob beaman (siehe unsere review) könnte sich zu so einer serie wie damals entwickeln.

ok, dass review ist im prinzip schon wieder überstrapaziert mit text ohne ein wort über den eigentlichen abend verloren zu haben.

gut, ich versuche das einmal zu raffen, damit keine (weiteren) beschwerden kommen...

der musikalische 3h part von dj hell war auf ein neues für uns sehr gelungen. denn auch das ist eine stärke von dj hell, er ist nicht vorhersehbar, beliebig und gar langweilig in seinen dj-sets. das kann natürlich auch einmal so weit gehen, dass das grundverständnis mancher besucher/hörer überschritten wird, aber so weit kam es m.e. heute abend bei weitem nicht. wir bewegten uns allsamt im gut tanzbaren und für alle beteiligten (... mit leib & seele im elektronischen bereich) nachvollziehbaren bereich.

noch dazu war der cosmopolar club endlich einmal richtig gut gefüllt (also in bezug auf unsere besuche), was uns natürlich darüber hinaus ebenfalls sehr freute. zumal auch diese verbindung aus etwas (... nehmt mirs nicht übel) schicki-micki club und dj hell sehr gut zusammenpaßte (schien er auch so zu sehen, denn er dampfte nicht gleich nach dem set-ende ab).

den entladensten moment des abends "releaste" hell mit dem track "phuture bound" (âme remix von akabu), zumindest wenn unsere informationen aus dj-kreisen stimmen.

preislich lag man mit 15 bis 20 euro zwar recht hoch, jedoch gabs in der beziehung eine gute und gangbare lösung - den vorverkauf. dort konnte man für nachvollziehbare (und auch gerechtfertigte) 10 euro schon zutritt erlangen.

die location selbst brauchen wir euch ja nicht weiter vorstellen, dass haben wir zur genüge in den vorherigen reviews bereits getan.

hingewiesen sei noch auf das heutige rahmenprogramm mit mr. toad, henriette ford (die direkt vor dj hell die ehre hatte), raycoux jr. sowie stefan barth.

natürlich alle mit einem soliden wirkungskreis. ich möchte fast sagen, dass sich so langsam ein ziemlich stimmiges und gutes residenz-team im cosmopolar gefunden zu haben scheint...

... aber man wird ja sehen, wohin das cosmopolar noch so treibt (um an unser erstes review in der beziehung anzuknüpfen). aktuell gefällt uns die richtung sehr gut, denn die anteile an elektronischen parties sind zum einen sehr gut ausgesucht (siehe efdemin letztes mal...) und zum anderen relativ häufig im terminkalender des cosmopolar!

... und natürlich würden wir uns über eine monatliche residency von dj hell in erfurt auch sehr freuen. aber spaß bei seite, 6-jahres-zeiträume jedenfalls sind etwas zu lang.

p.s.: happy birthday nochmal an alle geburtstagskinder.

p.s.s.: "bei starken turbulenzen gibt es keine atheisten" an alle pechvögel!

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